Fotograf Giacomo Brunelli im Künstlergespräch

Brassaï, Cartier-Bresson, Friedlander
Brunelli-Motiv der Projektarbeit "Flaneur" in Hamburg
Motiv der Projektarbeit „Flaneur“ für die Triennale der Photographie 2015

die „großen alten Meister“ der Fotografie seien seine Vorbilder, verortete Giacomo Brunelli seine Arbeit im Podiumgespräch in der Deichtorhalle am Samstag Nachmittag. Eingeladen vom Freundeskreis des Hauses der Photographie, fand sich ein kleiner Kreis interessierter Freundinnen und Freunde ein, um dem höflich zurückhaltenden Fotografen zuzuhören, wie er über seine Motive sprach, die er anlässlich der Triennale der Photographie 2015 in Hamburg als Auftragsarbeit mit seiner kleinen Analogkamera geschaffen hatte. Er selbst bezeichnete sich als „Street-Photographer“, seine Bilder entstehen sämtlich unter freiem Himmel, im Studio arbeitet er niemals.

Hamburg wie aus der Zeit gefallen
Street-Photographer mit besondere Perspektive: Giacomo Brunelli
Menschen fotografiert Brunelli nur in abgewandten Posen

Passend zu seinem im besten Sinne konservativ ausgeführten Handwerk – Brunelli entwickelt und vergrößert selbst in der Dunkelkammer – auch die durchweg in Schwarz-Weiß gehaltenen Aufnahmen, die allesamt zeitlos – wie aus der Zeit gefallen – wirken. Brunelli ist zwar kein Zeitgenosse der anfangs genannten Grand Seigneurs der Straßenfotografie, doch seine Bilder passten großteils ebenso ins 20. Jahrhundert. Allerdings zieht Brunelli seine sehr eigene Bildsprache konsequent durch sein gesamtes Oevre: er liebt es, Tiere zu fotografieren, doch gern aus ungewöhnlichen Perspektiven, Menschen stets abgewandt. Gesichter interessierten ihn nicht so, gab er zu.

Gesichter interessieren ihn nicht so
Serie "Selbstportraits" inszeniert den Schatten des Fotografen
Motiv aus der Serie „Selbstportraits“ mit dem Schatten des Künstlers

Es ist das Spiel mit Schärfe und Unschärfe, Licht und Schatten, Perspektiven und Größenverhältnissen, auch Bewegung und Stillstand, das mich beim Betrachten erstaunte und trotz der Bezüge auf die Klassiker etwas ganz und gar Neues schafft. Einen besonderen Effekt erzielte Brunelli während des Gesprächs und der Präsentation ganz unbewusst, sitzend im Vordergrund, hinter und über ihn hinweg projiziert sein Werk, wurde er Teil desselben und trat in einen unbeabsichtigten Dialog mit den stark vergrößerten Motiven.

„Man muss raus aus der Komfortzone“
Gans in Aufruh, fotografiert von Giacomo Brunelli
Hamburger Gans aus der Reihe „Flaneur“, Hamburg 2015

Seine Liebe zu Tieren erklärt Brunelli mit seiner Kindheit auf dem Lande bei Perugia, wo er mit einer Menge Viechern aufwuchs. Für die Arbeit „Flaneur“ erkundete er von Februar bis April 2015 die Hamburger Innenstadt und auch hier sind es oft Vögel und Hunde, die seine Aufmerksamkeit auf sich zogen. „I like instinctive photography“, kommentierte er seine Fotos, die einerseits Momentaufnahmen, andererseits formal gekonnt durchkomponiert sind. Die Gnade des schnellen, klaren Blicks des Meisters. „You have to get out of your comfortzone“ – was wohl auch damit enden kann, dass Leute, die er unmerklich von hinten fotografiert, sich plötzlich umdrehen und fragen „What are you doing here?“ Das Ergebnis jedenfalls ist sehens- und bemerkenswert!

Vom 16. Januar bis zum 12. März 2016 sind die Hamburg-Fotografien von Giacomo Brunelli in der Robert Morat Galerie ausgestellt.

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