Hamburg: Kunst zwischen Kontorhausviertel und Hafencity

Hamburg zwischen Kontorhausviertel und Hafencity

Vom hanseatisch traditionellen Kontorhausviertel bis zur hippen Hafencity mit ihren Baustellen und Kränen verdichtet sich die Hamburger Galerienlandschaft zunehmend. Auch, wenn manch Galerist/in nach Berlin wechselt, vom wohl lukrativeren Markt angezogen, so kommen doch immer wieder neue Kunst-Showrooms hinzu. An Interessenten mangelt es in der Hansestadt nicht, anscheinend aber an wirklichen, zahlungswilligen Käufern …

Kunst erleuchtet düstere Nachmittage
MeCre: Morpho secundus - Lebewesen oder Maschine?
MecCre von Gaby Wormann

Ein trist verhangenes Januar-Wochenende erhält durch Kunstgenuss – auch mal abseits der bekannten Ausstellungshäuser – mehr Licht und Farbe. Via Facebook lassen sich interessante Events schnell finden, denn dankenswerterweise haben Galeristen Social Media Tools längst entdeckt, um Fans und potenzielle Kunden (?) anzuziehen.

Erste Station: Galerie Evelyn Drewes
www.evelyndrewes.de
http://www.evelyndrewes.de

Mit einem der letzten Paternoster Hamburgs im Kontorhaus Burchardstraße 14 kommt man zur Vernissage „Neon Black“. Ausgestellt werden seltsam vielschichtig schillernde Kunststoff-Objekte, die zwar brav an die Wand zu hängen sind, sich da aber irgendwie unpassend wirkend der Fläche verweigern. Der Künstler Lev Khesin arbeitet mit eingefärbtem Silikon, das er Lage um Lage zu geheimnisvollen Unformen gießt, die allesamt etwas glimmernd Tiefgründiges ausstrahlen. Da, wo er die glatte Fläche durch aufgerissene Struktur um ihre Transparenz bringt, hat die Technik für mich ihren Reiz verloren.

Zweite Station: GersonHöger Galerie
Detail aus einer von Rayk Goetze bespielten Wand
Rayk Goetze „Arbeit & Struktur“, 24 x 18 cm

Gleich um die Ecke, am Burchardplatz 5, gibt es seit Kurzem die großzügigen Räume der GersonHöger Galerie. Hier wird der beeindruckte Besucher in die Zeit der Jungen Wilden zurückversetzt, mit der aktuellen Ausstellung „FiguRatio“ hat die figurative Malerei einen fulminanten Auftritt: drei Maler – Rayk Goetze, Stefan Schiek, Mark Taschowsky – zeigen aktuelle Werke. Der Ort ist einfach eine Wucht und die Kunst kann Raum greifen,

Helmut Schmidt von Rayk Goetze bei GersonHöger
Rayk Goetze arbeitet auch großformatig

das allein macht schon den Besuch wert. Als eher konventionell veranlagte Betrachterin gefällt mir das gut Gemalte immer, und wenn ich dann noch das eine oder andere kunsthistorische Zitat erkennen darf, freut es mich besonders. Ob jetzt unbedingt gerade Helmut Schmidt so überlebensgroß von der Wand paffen muss – na, der verkauft sich hier im Kontorhausviertel ganz bestimmt!

Dritte Station: cca&a-gallery
Alexander von Schlieffen bei caa&a gallery
Alexander von Schlieffen interessieren Licht und Stofflichkeit

In der Hafencity, Honkongstraße 3, neben der Kreativgesellschaft, zeigte die ccaa-gallery Alexander von Schlieffen. Das neue Werk kommt auf den ersten Blick ziemlich kreischig Orange-Cyanblau daher, bei näherer Betrachtung gewinnen die Licht-Schatten-Motive sehr an Tiefe und Differenziertheit. Gewinnend war auch die Führung durch den Künstler selbst, der mit ihm ziehenden „Besucher-Reisegruppe“ alles erklärend und sozusagen zum Anfassen präsent. Die leuchtenden Acrylfarben trägt er in altmeisterlicher Lasurtechnik Schicht für Schicht auf. Aussagen wie „Mir geht es nur um Licht und Schatten, ich male eigentlich nur Licht.“ oder „Mich interessiert die sinnliche Stofflichkeit“ sind sympathisch gesagt und vom geneigten Betrachter am Werk nachvollziehbar.

Vierte Station: Metropolitan-Gallery
Metropolitan Gallery zeigt MeCre von Gaby Wormann
Aus Frankensteins Setzkasten: MeCre – Mechanical Creatures

Auch Hafencity, Am Sandtorpark 2. In trendiger bald-1A-Lage erleuchtet die Metropolitan-Gallery mit riesigen Fensterflächen ihr cooles Umfeld. Sie präsentiert MeCre – Mechanische Kreaturen, angefertigt von der Künstlerin Gaby Wormann. Ihre filigranen Kunstwerke werden in gläsernen Leuchtkästen effektvoll beschienen: konservierte Schmetterlinge, Käfer, Spinnen und anderes Kleingetier mutieren da durch filigrane Uhrwerk-Bestandteile ergänzt – oder optimiert?– zu roboterhaften Kunstwesen wie aus dem

MeCre von Gaby Wormann in Hamburg
Zwischen Faszination und Grusel – Clockwork Spider

Labor eines Dr. Frankenstein der Mikrofauna entkommen. Wunderschön anzuschauen, hochästhetisierende Inszenierung – vielleicht mehr etwas für ein kostbares Kuriositätenkabinett. Was wohl Peta zu dieser Ausstellung sagen würde?

Meine Wunschliste
Madonna - doch was soll der Kerl dabei?
Rayk Goetze bei GersonHöger: Madonna mit Meerkatze

bei zufälligem Fund einiger Tausend Euro und bisher übersehener zusätzlicher Wand in meiner Wohnung:

  1. Kleinformatige Portraits von Rayk Goetze „Arbeit & Struktur“
  2. Zerwühlte Bettlandschaft von Alexander von Schlieffen
  3. „Madonna mit Meerkatze“ von Rayk Goetze (ob man den Typen da drin noch rausretuschiert bekommt?)

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