Nah und Fern – ein Kunstwochenende in der Hafenstadt Duisburg

„… dass man beim Begriff „Hafenstadt“ zuerst an Duisburg denkt und nicht an Hamburg.“
Duisburg feiert 300 Jahre Hafen
Container prägen die weltgrößte Binnenhafenstadt Duisburg

Hoppla – da horcht das Ohr der Hamburgerin in der Gebläsehalle des Landschaftsparks Duisburg-Nord auf. Hamburg und Duisburg – vergleichbar wichtige Hafenstädte? Wirklich wahr: Duisburgs Binnenhafen ist der weltweit größte seiner Art! Entsprechend selbstbewusst feiert denn auch OB Sören Link vergangenen Freitag mit der Eröffnung des Kulturfestivals „Duisburger Akzente“ gleichzeitig 300 Jahre Duisburger Hafen.

Herz des Geschehens: der Stadtteil Ruhrort
Homberger Brücke in Ruhrort
Duisburg Ruhrort: Blick auf Homberger Brücke

Bis zum 13. März lohnt sich ein Besuch im Ruhrpott also auch deswegen: Kunst-Interaktionen, Theateraufführungen, Konzerte und mehr beleben den ehemaligen Industriestandort. Herz des Geschehens: der Stadtteil Ruhrort an der Mündung der Ruhr in den deutschen Vaterfluss Rhein, geprägt von neuen und alten Hafenbecken, Brücken, ehemaliger Schwerindustrie, jetztzeitigem globalem Containertransport. Es gibt Ecken und Plätze, die dich in vergangene Zeiten beamen, ganz ohne Zeitmaschine – dieser Ort atmet die Vergänglichkeit, lebt seine Geschichte mit seiner Gegenwart. Nicht zuletzt Horst Schimanski wurde hier zur Legende.

Landschaftspark Duisburg Nord: Inszenierung einer Kastration
Industrielle Vergangenheit lässt grüßen
Landschaftspark Duisburg Nord: Industrie als Objekt
Landschaftspark Duisburg Nord
Ilumination lässt Rost erstrahlen

Da ist der Landschaftspark Duisburg-Nord: Auf über 200 ha entstand auf dem Terrain eines alten Hüttenwerkes von Thyssen Krupp eine Kulturlandschaft, wo dir heute die Zeugnisse der Schwerindustrie – Hochöfen, ein gigantisches Rohre-Netzwerk, Schienen, Fabrikhallen – von ihrer einstigen Bedeutung als pochendem, pulsierendem, rauchendem, Mutter Erde aushöhlendem Wirtschafts-Motor erzählen. Freilich durch die farbige Beleuchtung stimmungsvoll inszeniert, gleichsam kastriert, sich in ihr beschauliches Schicksal der kraftlosen Funktionslosigkeit fügend.

Nach der Industrie- kam die Kulturrevolution

„Nah und fern“ – der Titel des Festivals spielt auf den Hafen und seine Bedeutung für Mensch und Ware an. Eine begehbare Installation „transartlantico“ des Hamburger Künstlers Jens J. Meyer entführt vom Gemeindehaus Ruhrort auf das offene Meer bis nach Buenos Aires. Aufgespannte Segel dienen als Projektionsflächen für den Traum von der Ferne, die Realität von Raum und Zeit verschwimmt mit dem Plätschern der Wellen, dem Knattern des Tuchs im Sturm.

Wasser – Element der Fortbewegung, der Freude, des Fernwehs
Ein Hoch auf H2O von Jörg Mazur
Ein Hoch auf H2O von Jörg Mazur

Eine Schule Meeressäuger überschwimmt die Harmoniestraße, Künstler Jörg Mazur lässt sie schwungvoll eine „Hoch auf’s H2O“ Motto-Party feiern – der blauen Lichtreflexe wegen am besten bei Dämmerung oder abends zu bestaunen. Das gesamte Festivalprogramm findest du auf der Homepage.

„Tausend und eine Flaschenpost“ im Binnenschifffahrtsmuseum
"Tausend und eine Flaschenpost" im Binnenschifffahrtsmuseum
„Tausend und eine Flaschenpost“

Liebesgeschichten, Abschiede, Wünsche, Grüße, große und kleine Schicksale lassen sich in den 1.000 Flaschen, die Künstler Joachim Römer in einer Sonderausstellung des Binnenschiffahrtsmuseums formschön präsentiert, entdecken. Seit vielen Jahren sammelt er an den Ufern des Rheins die Botschaften und archiviert sie. Als wellenförmige Skulptur wecken sie jetzt die Phantasie der Betrachter und bleiben bei aller Transparenz geheimnisvoll …

Stets lohnenswert: Lehmbruck Museum
Lynn Herschman Leeson: Cyborg Series
Lynn Herschman Leeson: Cyborg Series

Ganz unabhängig von temporären Kunst-Events hat Duisburg für dich als art-igen Stadtbummler durchgehend Großartiges zu bieten. Das Lehmbruck Museum lohnt wegen seiner ständigen Ausstellung vieler moderner bildhauerischer Werke – nicht zuletzt Lehmbrucks selbst. Schon das monströs sinnlose Maschinenwesen von Jean Tanguely macht mir Freude. Zur Zeit dreht sich eine große Sonderschau um „Liquid Identities“ – im Zentrum Arbeiten der amerikanischen Multimedia-Künstlerin Lynn Hershman Leeson, die gerade eben auch in der Sammlung Falckenberg in Hamburg-Harburg gastierte und letztes Jahr bei der Ausstellung „Feministische Avantgarde“ in der Galerie der Gegenwart mitwirkte.

Glanzstück und Bauskandal: Museum Küppersmühle
Tinguely im Lehmbruck Museum
Tinguely im Lehmbruck Museum

Ein letzter Tipp: Wer zeitgenössische Malerei liebt, findet in der ausgebauten Küppersmühle den rechten Ort. Bei einem Spaziergang am Innenhafen präsentiert sich dabei auch ein Glanzstück aktueller Stadtentwicklung Duisburgs und der Architektenkunst des Büros Herzog & de Meuron, das zur Zeit leider – ähnlich wie die Elbphilharmonie – als Bauskandal die Gemüter bewegt. Womit wir wieder beim Städtevergleich angekommen sind.

Sag selbst: welche ist die aufregendste Hafenstadt im ganzen Land?

Petra Pokorny

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