Kunst, od’r? Manifesta, Dada und viel Wein. Mit art in Zürich 1. Teil

Zürich Manifesta: Pavillon of Reflections
Zürich Manifesta: Pavillon of Reflections

100 Jahre Dada und Manifesta 11 – das sind gleich zwei triftige Gründe, die für Zürich sprechen. Die großen Dada-Ausstellungen fanden zwar bereits in den ersten Monaten des Geburtsjahres statt – und doch lud das art Magazin eine ausgewählte Leserschar eben für den sommerlichen Juli zur gemeinsamen Reise, die von Schweiz Tourismus artig organisiert worden war. So konnten wir Zürich nach allen Regeln der Kunst genießen – und dabei ganz entspannt bleiben, denn vom Begrüßungs-Champagner bis zur kenntnisreichen Stadtführung war für alles wunderbar gesorgt.

Jung und auch sexy – wer würde das von Zürich denken?
Warten auf die Tram: Zürich Bellevue
Sommer in Zürich

Was sofort auffällt: in Zürich tobt das junge Leben. Auf öffentlichen Treppen, Stuhlgruppen und Bänken, in den vielen Straßencafés und an den Ufern des Zürichsee ein buntes Treiben bis spät in die Nacht. Jugendliche, Studenten, Familien mit Kindern und Touristen jeglicher Nationalität sind unterwegs und trotzen mit selbst mitgebrachten Picknicks den horrenden Preisen.

Ein großes Durcheinander der Stile
Zürich Altstadt
Geschäft mit Jugendstil-Dekor in der Altstadt

Manche Gebäude und Straßenecken erinnern an Paris und seine Boulevards. Doch von architektonischer Einheit hier keine Spur: Eng verwinkelte Altstadtgassen münden in von Platanen beschattete, italienisch anmutende Plätze, großartige Jugendstilbauten geben brutalistischen Betonsünden der Neuzeit Kontra, alle paar Schritte plätschert ein Trinkwasserbrunnen und macht dabei bella figura nach unterschiedlichster Stilrichtung.

Zurück zur Kunst. Wie war das nochmal mit Dada?
Zürich mit art Magazin
Wein am Brunnen vor dem Zunfthaus zur Waag
art Chefredakteur Tim Sommer in Zürich
art Chefredakteur Tim Sommer begleitete die Kunstreise nach Zürich

Ha! Hicks! Ganz im Zeichen kenntnisreichen Kunst-Genusses führt unser erster Weg ins alte Zunfthaus zur Waag, in dem am 14. Juli 1916 die erste Dada-Soirée von Dada-Gründer Hugo Ball abgehalten worden war. Bevor wir die heiligen Hallen betreten, dürfen wir den Brunnen am Platz bestaunen, aus dem – oh Wunder! – kühler Weißwein fließt. Natürlich ein Trick des Wirtes, der diese Wandlung kanaanäischer Art nur besonderen Gästen angedeihen lässt.

Zunft-Wappen und Rösti feiern bürgerliche Traditionen …
Schwarzes Dada-Brötchen im Zunfthaus zur Waag in Zürich
Schwarzes Dada-Brötchen

Im Zunfthaus selbst erinnert auf den ersten Blick nichts an die dadaistische Vergangenheit. Bunte Glasfenster zeigen die Wappen der altehrwürdigen Zünfte, die Tische sind weiß gedeckt, üppige Rösti und Züricher Geschnetzeltes auf den Tellern lassen eher konservative Traditionen hochleben als die dadaistische Lust am antibürgerlichen Widersinn. Wir jedenfalls werden auf’s Feinste verköstigt.

Dada ist da, wo keiner ihn vermutet.
Zürich, Zunfthaus zur Waag: Dada Klopapier
Dadaistisches Klopapier

Kleine warme Brötchen warten darauf, mit Butter bestrichen vertilgt zu werden, einige davon durch und durch schwarz. „Das ist wegen Dada!“ erklärt der Kellner meine neugierige Nachfrage – Dada-Brötchen also! Endlich. Später auf der Toilette die nächste dadaistische Entdeckung: das Klopapier erfreut nicht nur das Auge mit aufgedruckten Dada-Sprüchen zum Dada-Geburtstag. Wenn das mal kein Tabubruch ist, echt dadaistisch! Die Schweizer haben wohl so ihren Humor … Popodadawadamdadajadawada usw.

Das Kunst-Buffet ist angerichtet: Köstliches im Kunsthaus Zürich
Kunsthaus Zürich: TreppenaufgangH mit odler
Treppenaufgang im Kunsthaus Zürich

Das Kunsthaus Zürich wartet mit großen Namen und einem beeindruckenden Reichtum an Schätzen auf. Der enthusiastischen Kunstvermittlerin merkst du die Begeisterung bei jedem Wort an, mit dem sie die Höhepunkte der Sammlungen präsentiert. Angefangen in den prachtvollen Jugendstilräumen bei ihrem Landsmann Hodler über die Meister des Impressionismus, der Moderne bis zur Jetztzeit rollt sie mit uns die Art-Celebritys von Raum zu Raum auf.

Henry Moore im Kunsthaus Zürich
Figur von Henry Moore

Bekannt ist die umfangreiche Giacometti-Sammlung des Museums, es gibt einen eigenen Chagall-Raum und du summst von Francis Bacon zu Picasso, von Meret Oppenheim zu Henry Moore, von Baselitz zu Cy Twombly wie ein berauschtes Bienchen im voll erblühten Lindenbaum.

Lehmbruck im Kunsthaus Zürich: emporsteigender Jüngling
Lehmbruck-Figur

Schade vielleicht, dass Künstlerinnen nicht so richtig vorkommen oder sie zumindest nicht explizit berücksichtigt werden. Toll auf jeden Fall die Inszenierung der Sammlungen, die Blickachsen und Perspektiven, die spannungsgeladenen Aufgänge und räumlichen Bezüge. Hier schöpfst du aus dem Vollen – wie bei einem Schokoladenbrunnen aus erlesener Schweizer Schokolade, hmmmm.

Manifesta, die nomadische Biennale für zeitgenössische Kunst
Zürich Manifesta: Wasserkirche
Pastor trifft russischen Künstler, Ergebnis: Wasserkirche mit Riesenschmetterling

Sie „verbindet die zeitgenössische Kunst mit den urbanen, sozialen, historischen, ökonomischen, ökologischen und architektonischen Kontexten von jeder Gastgeberstadt.“ beschreibt Hedwig Fijen, die Direktorin der Manifesta, das Konzept der Schau, die sich von Bedeutung und Anspruch her neben die documenta oder die Biennale in Venedig stellt.

„What People Do for Money: Some Joint Ventures“ heißt der Leitgedanke des Kurators und Künstlers Christian Jankowski. In der Umsetzung dieses Ansatzes wurden Künstler mit Züricher Vertretern ausgewählter Berufe zusammengeführt und gemeinsam schöpften sie aus dieser Begegnung und fanden zu einer Darstellungsform für die so entstandenen Beziehungen, Erfahrungen.

art Magazin, Zürich West, Brückengraffiti
Brückengraffiti in Zürich West

Weiter geht es in Teil 2 zur Manifesta und zu Zürich West, dem neu entwickelten Stadtteil für junge Kreative.
Petra Pokorny

 

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