Paris: Entdeckungstouren à Vélo, Versailles, Fondation Louis Vuitton und vieles mehr

„Ich möchte leben, wie Franzosen Auto fahren …“ (Songtext)
Busse und Räder teilen sich in Paris oft eine Spur
Untypisch: wenig Verkehr vor dem Place de la Bastille, Linienbusse und Radfahrer teilen sich eine Spur

Paris: Das Leben rauscht in hohem Tempo durch die Boulevards, um die Plätze, entlang der Seineufer. Wenn du dich so richtig als Teil dieser pulsierenden Stadt erleben möchtest, ist nicht ein Auto, sondern ein Vélo das ideale Transportmittel für dein Vorankommen – erst recht für ein Lebensgefühl à la Parisienne. Ein bisschen Don Quichotte musst du natürlich schon sein, denn trotz erklärter fahrradfördernder Stadtpolitik bleibt es ein Abenteuer: Pistes Cyclables (Radwege) beginnen und enden nicht selten jäh auf vielspurigen Fahrbahnen und oft teilst du dir den Raum mit den Linienbussen. Deutlich spürbar ist schon die erhöhte Aufmerksamkeit, die Paris bzw. seine Verkehrsteilnehmer inzwischen Radfahrern entgegenbringen. Doch nur mit der gehörigen Chuzpe kommst du prima voran im sternförmig angeordneten Pariser Straßennetz.

„… eine rote Ampel ist immer nur ein Vorschlag …“ (Songtext)
Paris à vélo: Radtour über Saint Cloud nach Versailles
Lieblingsort über der Seine: Park von Saint Cloud

Tipp für das Ausleihen von Rädern: die stadtübergreifend eingerichteten Vélib-Stationen funktionieren in etwa wie in Deutschland die Stadträder der Deutschen Bahn – nur, dass die Preisstruktur intransparent und sie im Endeffekt viel teurer sind. Nach der kostenlosen ersten halben Stunde addieren sich pro 30 Minuten erst 2, dann 4 Euro, das lohnt sich also nur für kurze Fahrten. Günstigere und tourentaugliche Vélos gibt es z.B. im Stadtteil Marais bei Paris à vélo c’est sympa, die auch geführte Radtouren anbieten.

Saint Cloud: Barocke Parkanlage und Ausflugsziel mit tollem Blick über Paris
Paris à vélo: Saint Cloud
Park von Saint Cloud: Blick bis zum Tour Eiffel

Unsere – ganz individuelle – Tour favorisée führt nach Versailles. Auf verhältnismäßig grünen Wegen legst du zwischen 16 und 20 km pro Strecke durch den Bois de Bologne und den Parc von Saint Cloud zurück. Der Vorort Saint Cloud ist très charmant, denn hast du erst mal den steilen Anstieg nach der Pont de Saint Cloud in den Ort erklommen, öffnet sich dir der wunderschön barock angelegte Park und führt dich über umschattete Alleen durch Marnes-la-Coquette Richtung Versailles. 

Paris à vélo: unter den Plantann von Versailles
Das „normale Versailles: Platanen-Allee mit Bistros

Dort rollst du nach manchen Anstiegen majestätisch durch breit angelegte Platanen-Promenaden direkt bis vor die Tore des touristenumtobten Schlosses. Gegen diesen Ansturm war die französische Revolution ein Klassenausflug, doch heute hat das – teilweise bewaffnete – Personal alles bestens im Griff.

Im Schlossgarten rauschen die Wasserspiele – „Grandes Eaux“…
Paris à vélo: Neptunbrunnesn in Versailles
Neptun und Gefolgschaft

Traraaa – das Schloss des Sonnenkönigs bittet zur Audienz. Auf dem Vorplatz einige Tausend Touristen in endlosen Warteschlangen machen Angst. Clever, wer sich mit Online-Tickets ausstattet und außerdem nur den Garten und seine Wasserspiele besuchen möchte.

Versailles: Wasserspeiender Gigant
Wasserspeiender Gigant

Unter dem Titel „Les Grandes Eaux“ rauschen die großartigen und auch die in Nischen versteckten Brunnen, Faune und Fabelwesen speien meterhohe Fontänen, Neptun stürmt mit seinen Rossen durch die Gischt, kunstvolle Springbrunnen-Choreografien werden zu klassischer Musik aufgeführt.

Olafur Eliasson in Versailles
Nebel-Rondell von Olafur Eliasson

Allerdings nur morgens und nachmittags für eineinhalb Stunden, was viel zu kurz und außerdem ziemlich geizig ist, da die Zeit nicht ausreicht, um jeden anmutigen Winkel des Garten-Labyrinths zu entdecken.

… und Olafur Eliasson bietet dem absolutistischen Pomp die Stirn
Olafur Eliasson in den Gärten von Versailles: Waterfall
Und der Himmel öffnet seine Schleusen

Für alle und jederzeit zugänglich dagegen sind die Inszenierungen von Olafur Eliasson, zu denen sich der Künstler von der pompösen Kulisse inspirieren ließ. Jedes Jahr wird ein renommierter Vertreter der Kunstszene dazu eingeladen und Eliasson als Meister der Elemente – hier Licht und Wasser -, setzt mit einem aus Nebel bestehenden „magischen“ Kreis und einem enormen Wasserfall vis à vis des Schlosses beeindruckende Kontrapunkte und ergänzt – oder übertrumpft? – damit die der symmetrischen Formvollendung dienende Garten-Architektur. Auch im Schloss selbst, dem Spiegelsaal und anderen Prachträumen sind Arbeiten von Eliasson zu finden, auf die wir jedoch aufgrund des wahnsinnigen Menschenansturms verzichtet haben. Eine Bildergalerie sämtlicher Versailles-Positionen Eliassons findest du hier.

Entdeckung am Seine-Ufer: Parc & Village de Bercy
Robert Doisneau: Village de Bercy
Robert Doisneau: Village de Bercy, 1974

Auf der Suche nach kühlenden Ausflugszielen in der aufgeheizten Metropole führten uns unsere Erkundungen à vélo auf dem Weg zum Parc und Château de Vincennes zum Park des Stadtteils Bercy. Durchschnitten von überbrückten Straßen liegt der Parc de Bercy in drei großen Arealen wie ein geheimnisvoller Garten von Mauern umgeben nahe dem industriell genutzen Abschnitt der Seine.

Robert Doisneau: Village de Bercy
Doisneau: Bercy 1974
Paris à vélo: Parc von Bercy
Parc von Bercy heute

An ihn grenzen die alten Gemäuer des Village de Bercy, ein kommerziell genutztes Ensemble alter Backsteinhäuser, wo sich heute ein Schnellrestaurant an das nächste schließt und Büroangestellte ihre Mittagspause verbringen. Der ganze Bereich diente bis in die 1980er als Lager- und Umschlagplatz für Wein, eines der kostbarsten Güter Frankreichs.

Paris à vélo: Parc de Bercy
Park von Bercy heute

Peu à peu verkam der einst zentrale Weinhandels-Standort, einer Stadtentwicklungs-Initiative ist die Wiederbelebung des Areals zum Naherholungsraum und Gastronomiezentrum zu verdanken. Großformatige Fotografien von Altmeister Robert Doisneau, der das frühere Viertel und seine Arbeiter in den 1970er Jahren portraitierte, stellen eine Verbindung zwischen Vergangenheit und dem Heute her.

Spiel mit Licht und Farben: die Fondation Louis Vuitton
Paris à vèlo: Fondation Louis Vuitton
Fondation Louis Vuitton im Farbrausch von Daniel Buren

Dass fulminante Kunstpräsentationen nicht nur in feudalistischer Vergangenheit, sondern verstärkt auch heute durch private Mega-Sammler in Szene gesetzt werden, ist eine Tatsache. Grandios ist der neueste Coup der Fondation Louis Vuitton. Sie setzte der spektakulären Segel-Konstruktion von Architektenstar Frank Gehry mit der Licht- und Farb-Arbeit von Daniel Buren die Krone auf. Das gesamte Gebäude strahlt, schillert und fluorisziert in unterschiedlichen Farbspektren – ganz nach Lichteinfall. Ja, das mag recht plakativ daherkommen, ist aber ein höchst sinnliches Erlebnis!

Gut oder nur schön? Zeitgenössische Positionen aus China
Ai Wei Wei in der Fondation Louis Vuitton
Baum von Ai Wei Wei

Die wechselnde Ausstellung speist sich zurzeit aus den Sammlungsbeständen chinesischer aktueller Kunst. Aus meiner Sicht kein Brüller, gehört ein Ai Wei Wei doch heute in jede respektable moderne Kunstsammlung, wenn das nötige Kapital stimmt. Auch werde ich das Gefühl nie los, dass mich viele China-Kunst-Importe an bereits Vorhandenes erinnern – sei es ein auf den Kopf gestellter Engel oder formatstarke Monumentalmalerei.

Zhang Huan in der Fondation Luis Vuitton
Long Island Buddha von Zhan Huan

Auch die Video-Installationen fand ich trotz selbstbewusst raumgreifender Aufbauten banal bzw. irgendwie schlecht von William Kentridge inspiriert. Fondation Luis VuittonAber natürlich alles spitzenmäßig präsentiert, die riesigen Räume geben einfach total viel her. Und warum eindeutiger Kitsch als Kunst gilt, nur, weil er aus China kommt und einen ganzen Raum füllt, bleibt mir schleierhaft.

Giant by Zhang Huan
Zhang Huan: Giant

Als Gesamterlebnis macht diese Ausstellung trotz allem Freude, weil sie einfach groß-artige Eindrücke schafft und du dich immer wieder fragst: ist das nun gut oder nur groß oder nur schön?

Zu Hause über den Dächern von Paris, la vie en Rosé
Paris à vélo: an den Ufern der Seine
Paris tanzt an den Ufern der Seine

Dies alles per Vélo abzufahren macht natürlich Durst und so freuten wir uns jeden Abend auf einen kühlenden Rosé in unserer Airbnb-Unterkunft im 6. Stock eines Bürgerhauses. Der Clou des Appartements ist der petit balcon mit herrlichem Blick über die Dächer von Paris. Immer zur vollen Stunde funkelt und blinkt der Tour Eiffel im Wetteifer mit dem Tour Montparnasse. An den Ufern der Seine tanzen die Menschen zur Live-Musik und trotz aller Beunruhigungen behält Paris sein bezauberndes Flair als eine der allerschönsten Weltstädte!

Über den Dächern von Paris
Über den Dächern von Paris

Petra Pokorny

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