Der Maler Jochen Hein & warum Föhr aktuell besonders sehenswert ist

Der Maler Jochen Hein im Museum Kunst der Westküste auf Föhr
Hochkarätige Malerei, mehrfach in Kontext gebracht: Jochen Hein im Museum für Kunst der Westküste auf Föhr
Jochen Hein bespielt das Museum für Kunst der Westküste auf Föhr

Ohne Jochen Hein hätte ich das Museum Kunst der Westküste im eher verschlafenen Ort Alkersum auf der nordfriesischen Insel Föhr gar nicht entdeckt, was wirklich bedauerlich gewesen wäre. Das um einen modernen Neubau erweiterte Künstlerhaus Grethjens Gasthof setzt dem eher braven Nordsee-Eiland ein kulturelles Glanzlicht auf, das mit den Leuchtfeuern der Nordseeküste mithalten kann.

„Meer und Küste“ lautet das Motto der Kunstpräsentation im MKdW
Max Liebermanm im Museum Kunst der Westküste
Max Liebermanm im Museum Kunst der Westküste

Das Kunstmuseum bringt dem Besucher seine respektable Sammlung vorwiegend impressionistischer Werke medienpädagogisch wie kunsthistorisch verständnisreich kuratiert nah. Dass der selbst gesetzte thematische Schwerpunkt dabei „Meer und Küste“ lautet, entspringt sicher nicht zuletzt seiner geografischen Lage und leuchtet ein.

Gleich zwei Ausstellungen Jochen Heins begeistern die Besucher
Jochen Hein: Kochende See, 2015, 130x180
Jochen Hein: Kochende See, 2015, 130×180

Mit gleich zwei Ausstellungen bespielt diese Monate der Hamburger Künstler Jochen Hein das Museum. Bereits seine erste Schau „Über die Tiefe“ stellt mit ihren mehrheitlich maritimen Motiven nicht nur einen weiteren Bezugspunkt zur bestehenden ständigen Sammlung dar, sondern sie verlängert deren Aktualität auch auf hohem Niveau in unsere Jetztzeit.

Begeisterung bei den Besuchern
Besucherbuch-Eintrag

Ob durch technische Perfektion, die den aufmerksamen Betrachter in ihre Tiefe zieht oder die meditative Unabgelenktheit der ja schon ikonenhaften Motive ausgelöst – die Besucherstimmen sind euphorisch, das ausliegende Buch bezeugt es.

Kein Beiwerk lenkt den Blick vom Wesentlichen ab
Jochen Hein im Museum Kunst der Westküste: Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung „Jenseits der Zeit“

Vielleicht freuen sich die Menschen auch einfach darüber, dass Kunst sie anspricht, ohne sie auf die Probe zu stellen, sei es intellektuell oder ästhetisch. Heins Bilder kannst du schön finden, du kannst dich ihnen nähern, sie auf dich wirken lassen, sie in einen Zusammenhang mit dir Bekanntem bringen, sie führen dich nicht aufs Glatteis und berühren dich trotz der schon fast abstrakten Beschränkung auf das Gezeigte – keine Wolke, kein Mensch lenkt dich ab.

2015 war Hein „Artist in Residence“ am Museum Kunst der Westküste
Jochen Hein: American Star, 2011, 250x300
Ausstellungs-Plakat: American Star, 2011, 250×300

Umso spannender ist es, dass Heins parallel laufende Ausstellung „Jenseits der Zeit“ den direkten Dialog mit der Sammlung des Museums herstellt. Die Bilder, mit denen er 2015 als Artist in Residence Bezüge entwickelte, sind auch durch die Hängung mit den ihn inspirierenden Werken in räumliche Nähe gebracht worden. Anlässlich dieser Doppel-Präsentation hat Welle deluxe den Maler Jochen Hein befragt und freundliche Auskunft erhalten:

Interview mit dem Künstler Jochen Hein

Welle deluxe: Wie hat es dich denn nach Föhr getrieben?

Jochen Hein im Museum Kunst der Westküste auf Föhr
Jochen Hein:Gras VII, 2015, Acryl auf Baumwolle, 100 x 140

Jochen Hein: Getrieben hat mich zunächst nichts. Wusste ich zwar, dass es das Museum Kunst der Westküste gibt und hatte von verschiedenen Seiten gehört, dass es ein schönes Haus sein soll… Es war die Direktorin Ulrike Wolff-Thomsen, die entdeckte, dass meine Arbeiten perfekt ins Konzept des Museums passen. Hinzu kommt, dass ich aus Nordfriesland stamme, in Husum geboren bin. Wenn ich auch schon die längste Zeit in Hamburg lebe, ist die Landschaft dort im Norden Inspiration meiner Arbeit. So war der Direktorin klar, dass hier quasi mal ein Heimspiel, eine Einzelausstellung ansteht.

Als gebürtiger Husumer ist die Bespielung des Museums ein Heimspiel

W.d.: Auf den ersten Blick ist der Bezug deiner Seestücke zu Meer und Insel wie auch zum Motto „Westküste“ naheliegend – siehst du dich auch sonst in einer Verbindung mit den vielen impressionistischen Werken, die zur Sammlung des Museums gehören und gezeigt werden?

„Mir ist die äußere Erscheinung, der Eindruck, die Oberfläche alles.“
Jochen Heim im Museum Kunst der Westküste auf Föhr: Portraits in altmeisterlicher Technik
Heins Portrait-Zyklus erinnert an altmeisterliche Darstellungen

Hein: Auf einer Skala, auf der Impressionismus und Expressionismus die beiden Pole bilden, wäre ich wohl am äußersten Ende des Impressionismus zu finden. Mir ist die äußere Erscheinung, der Eindruck, die Oberfläche alles. In diese sind alle Rätsel eingeschrieben, ein Davor oder Dahinter sehe ich nicht. Das Unsichtbare kann man nicht sehen. In der Sammlung finde ich natürlicherweise viele Maler, die vom Sichtbaren berührt wurden – vom Meer und der Landschaft davor, die nichts desto weniger unergründlich, fremd und überwältigend erscheinen.

W.d.: Welchen Stellenwert hat technisches Können für Dich in der Kunst?

„Ich muss mich dauernd überlisten“

Hein: Man muss können, was man will, damit man vergessen kann, dass man es hinkriegen möchte. Es muss einfach unter den Händen geschehen. Ein gutes Kunstwerk macht aber nie das Malen selbst, das gekonnte Handwerk aus, sondern kommt vom richtigen Sehen und den Entscheidungen, die daraus folgen. Ich muss mich dauernd überlisten, damit ich nicht tue, was ich kann, denn das wäre ja schon für mich selbst langweilig. Den Zufall in eigenem Sinne zu nutzen, die überraschende Entdeckung möglich zu machen, darin liegt das eigentliche Ziel. Dann arbeitet man nicht mehr genau, sondern erzeugt etwas Lebendiges.

W.d.: Hast Du Vorbilder – sei es in handwerklicher Hinsicht oder auch vom künstlerischen Ansatz her?

Jochen Hein im Museum Kunst der WestküsteHein: Durch die Ausstellung im MKdW habe ich Hans Peter Feddersen wiederentdeckt, der mir durch sein Bild „Blanker Hans“ schon in frühesten Kindertagen großen Eindruck gemacht hat. Ich halte ihn für einen Meister, der zu unrecht übersehen wird. Vermeer oder das Spätwerk von William Turner, beides zu ihrer Zeit nicht verstanden und gesehen, heute überragend wichtig, sind Einflüsse.

„Ich erfinde mit jedem Bild meine Technik neu.“

In der Gegenwart sind es so unterschiedliche Künstler wie Robert Ryman und Gerhard Richter. Aber grundsätzlich sind es einzelne Bilder, die sich auf mich ausgewirkt haben, nie das ganze Werk oder die Person. Insofern wären unzählige Künstler zu nennen. Es sind ebenso Musik, die verrauschten Bilder meines ersten S/W-Fernsehrs, das Kino … In handwerklicher Hinsicht war mir allerdings immer klar, dass es kein Sinn hat, wie jemand anderes zu malen, wo ich doch schon kein neues Thema habe, vielmehr nur die, die schon immer da waren. Ich erfinde mit jedem Bild meine Technik neu … oder wer setzt sonst noch gerade Pflanzensprenger ein?

Jochen Hein im Museum Kunst der WestküsteW.d.: Arbeitest Du an einer Verbreiterung Deiner Motiv-Vielfalt oder eher an der weiteren Vertiefung?

Hein: Ich arbeite an beidem. Es gibt Werkgruppen, die noch nicht genügend weit gewachsen sind, dass ich sie gezeigt hätte … Andererseits bin ich mit keinem Sujet fertig. Aber es erscheint mir plausibel, dass man immer eher sein Werk verbreitert als vertieft. Tief muss jedes schon sein.

Petra Pokorny

 

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