Gast-Beitrag: Mein Indisches Reise-Tagebuch – von Mumbai nach Goa

Im MOG – Museum of Goa: Kunst mit und aus dem Ozean
Arbeit von Subodh Kerkar: Mussel Shell Ocean
Mussel Shell Ocean
Arbeit vo Subodh Kerkar

Das Museum of Goa ist einzigartig und eine lohnenswerte Anlaufstelle für Interessierte an der zeitgenössischen indischen Kunst. Es will Akteure und Ausstellungen national und international miteinander verbinden und vernetzen. Zur Zeit gibt es die Ausstellungen „Goa Affordable Art Fest“ und „Histories of Goa“. Der Ozean, die 100 km lange Küste und die Rolle der Portugiesen sind die Themen der präsentierten Künstler. Die Arbeiten zeigen die Verwendung von Materialien, die heute und gestern in Goa verwendet wurden und werden. Oder die durch die geografische Lage nahe gelegt werden.

Sweety Hoshi im MOG – Museum of Goa
Arbeit von Sweety Hoshi

Sweety Hoshi ist eine der wichtigsten zeitgenössischen Künstlerinnen indiens, die ihre Arbeiten aus verbranntem Papier herstellt.

Subodh Kerkar: Oysters of the Plate
Subodh Kerkar: Oysters of the Plate

Subodh Kerkar bezeichnet sich als „SEA ARTIST“, da seine Werke durch den Ozean inspiriert sind. So auch „Oyesters on the Plate“. Diese alten Teller hat er über Monate in einem Käfig im Ozean gelagert, bis dieser ihn mit Muscheln besiedelt hat.

Von Mumbai nach Goa ins Marbella Guest House
Letzter Blick aus dem Terminal 2, Mumbai
Letzter Blick aus dem Terminal 2, Mumbai

Der Terminal 2 in Mumbai ist ein Flughafen, der Spaß macht. Gute Luft, Shopping, Auslauf und vielfältiges Essen zur Auswahl. Der Flug nach Goa ist auch schnell vorbei, nur eineinviertel Stunden.
Das kleine Hotel „Marbella Guest House“ in Sinquerim ist eine Stunde Fahrt vom Flughafen entfernt.

Im potugiesischen Kolonial-Stil erbaut: das Marbella Guest House
Cosy: Marbella Guest House

Es liegt ruhig am Ende der Straße einer Halbinsel, umrankt von Bougainville. Die großzügigen Zimmer gehen zum grün angelegten Innenhof, der zum Verweilen und Klönen mit anderen Gästen einlädt. Das Personal kocht für die individuellen Wünsche der Gäste. Obwohl hier die Temperaturen nicht anders als in Mumbai sind, brauche ich Zeit mich zu assimilieren.

 

Leben wie zu besten Hippie-Zeiten

Der Weg zum Beach ist kurz, jetzt zur Nachsaison ist der Strand nur mäßig gefüllt. Zum Sonnenuntergang versammeln sich Scharen von Indern und Touristen auf der Halbinsel beim Fort Aguada. Irgendwie erinnert die Szene an alte Hippie Zeiten. Allerdings: Auf der Insel befindet sich das Gefängnis von Goa, in welchem auch Touristen landen, wenn sie wegen Drogendelikten oder anderem verhaftet wurden. Aus der Presse erfährt man, dass es einige Probleme mit den Lebensgewohnheiten der Touristen gibt.

Delfintour auf dem Mandovi River

Drogen und Alkohol, Fahren auf dem Moped auf ungewohnten Straßen – es gibt den britischen Linksverkehr und leider auch viele Schlaglöcher. Am Wasser gelegen gibt es auf der Halbinsel Dolphins Tour. In hübschen Holzbooten schaukeln wir in die Mündung des Mandovi River.
Wir sehen tatsächlich Delphine, allerdings nur höchstens eine Schwanzflosse in der Ferne.

Englisch-indisches Frühstück im Marbella Guest House
Mein Frühstück
Marbella Guest House, Goa
Mein Hotel
Der grüne Wahnsinn in Goa
Meine Tapete

 

Rückblick Mumbai: Thank you for your Smile!
Der gehörlose Supermarkt-Angestellte Adel
Adel ist gehörlos, er arbeitet im Supermarkt

Mein erster verschlafener Bummel in Mumbai führt mich in einen Supermarkt. Dort kaufe ich Joghurt und Händedesinfektion.
Der junge Mann an der Kasse schaut mich mit seinem offenen Gesicht an. Die Sachen werden eingescannt, doch nirgendwo kann ich die Summe erblicken.
Auf mein Stirnrunzeln hin dreht der junge Mann den Preis in mein Sichtfeld und zeigt darauf.  Das Wechselgeld ist nicht passend, er zeigt mir, dass ich zu seiner Kollegin gehen soll und dort das Geld bekomme. Also warte ich. Mit einer Handgeste, die ich aus der Gebärdensprache kenne, bedankt er sich bei mir.
Erst jetzt dämmert es mir, dass er gehörlos ist. Begeistert, dass wir uns so prima verständigt haben, ziehe ich los. Auf dem Rückweg hole ich im Supermarkt noch Wasser und gehe an die gleiche Kasse.

Moschee in Mumbai
Moschee in Mumbai

Wir verständigen uns wieder mit Handgesten, es  ist wunderbar. Als ich mich zum Gehen wende, nimmt er einen Zettel und schreibt darauf: „Thank you for your Smile.“
Es gefällt mir, dass es so einfach sein kann, gehörlosen Menschen Arbeit zu geben, dass ich mich bei meinem nächsten Besuch weiter erkundige. Adel, so heißt der junge Mann, arbeitet seit 3-4 Monaten in diesem Supermarkt. Er ist 26 Jahre alt und seit Geburt gehörlos.
Ein wenig verwundert über die Aufmerksamkeit
verschwindet er nach einem Foto schnell wieder auf seinen Arbeitsplatz hinter der Kasse.

Tag 2 in Mumbai: Post Office – no worry, no Curry, no hurry

Shopping-Beutezüge in anderen Ländern bringen oft ein Problem mit sich: Wie schaffe ich die Objekte der Begierde nach Hause, ohne das zulässige Höchstgewicht am Schalter im Flughafen zu überschreiten? Geschenke sind ja eine tolle Sachen, aber wie alles andere Weltliche erschweren auch sie meinen Koffer.
Daher will ich zwei Pakete schon mal an die Beschenkten schicken und mache mich gedanklich auf den Weg zur Post. An der Rezeption im Hotel frage ich nach der Post Office. Zweimal links um die Ecke und schon bin ich da. Kann das Leben in Indien doch einfach sein, denke ich!

You. Have to go to the Station.

In der Post wird mein Paket von allen Seiten betrachtet, eine Kollegin herbeigerufen, nach dem Inhalt und dem Ziel gefragt. Nachdem ich meine Auskünfte erteilt habe, wird das Paket wohlwollend in der Hand hin und her gewogen. You. Have to go to the Station. Das Paket muss zunächst auf den Inhalt überprüft, dann mit einem Baumwollstoff umwickelt, zugenäht und beschriftet werden. Diesen Walla gibt es aber nicht in dieser Post.

Walla für Päckchen
Walla für Päckchen

Ich soll zur Central Station gehen. Auf dem Weg zum Taxi überlege ich, doch mal mit dem Zug in Mumbai zu fahren. Mumbai gibt mir immer wieder Gelegenheit etwas Neues auszuprobieren. I take the Challenge, sagt mein Gehirn zu all den blöden Stories, die ich abgespeichert habe. Am Ticketautomat soll ich 5 Rupien bezahlen und bin nicht die Einzige, deren Schein zunächst immer wieder ausgespuckt wird. Es versammeln sich bis zu 5 hilfreiche Menschen um mich und schließlich hab ich mein Ticket.

For Ladies only

Am Zug freue ich mich über die Aufschrift „for Ladies only“ und flüchte vor einem kontaktfreudigem Priester. Es ist angenehm, im Fahrtwind dahinzuschaukeln. Nach vier Stationen steige ich stolz aus dem Zug, der weder Türen noch Barrieren am Ausgang hat. Was würde der Sicherheitsbeauftragte dazu sagen?
Treppe hoch, Treppe runter über hinreißend auf der Treppe liegende Hunde gestiegen und die Suche nach der Post geht los. In der Post wird mein Paket wieder begutachtet, das Ziel erfragt etc.. Eine Lady kommt hinzu und erklärt mir, dass auch hier kein Service zum Einwickeln wäre. Ich soll zum Chatrapati shivaji Terminal und dort zur CPO, Central Post Office gehen.
Naja, dont’t worry and dont’t hurry. Also fahre ich zurück, um vom Hotel aus ein Taxi zu nehmen. Dort angekommen erklärt man mir, dass die Post heute zu ist.

You never walk alone

Eine Inderin hat mir mal erzählt, dass sie erst bei ihrem Aufenthalt in Großbritannien eine Wahrnehmung für sich als Individuum kennengelernt hat. Zuvor war es für sie selbstv

Zug nach Mumbai: For Ladies only
Zug nach Mumbai: For Ladies only

erständlich gewesen, sich als Teil der Familie zu verstehen. So traf sie Entscheidungen nicht für sich, sonder dachte immer an die Bedeutung und das Wohl der Anderen dabei. Der Aufenthalt in England hatte für sie zur Folge, dass sie mit steinalten 35 Jahren nicht verheiratet war. Ob das tatsächlich ein Problem in Indien für sie war, konnte ich nicht ergründen.
Wie komme ich darauf? Hier in Mumbai kann es lebenswichtig sein, sich in dem lebhaften Verkehr sicher zu bewegen und kein Risiko einzugehen, um von einer Straßenseite auf die andere zu kommen. Wer darauf wartet, dass die Autos anhalten, wird dort eher zur Säule erstarren, als sich fortzubewegen. Hilfreich ist es, sich anderen Passanten anzuschließen, die offensichtlich die gleiche Richtung ansteuern. Man findet sich auf Verkehrsinseln zu Gemeinschaften zusammen, um in der Masse den Verkehr zum Anhalten zu bringen. Sobald sich eine Lücke ankündigt, muss man mutigen Fußes ein Zeichen setzen und gemeinsam die Straße überqueren.

Tag 1 in Mumbai: Stoff für ein Hochzeitskleid auf dem Crawford Markt
Welcher Stoff darf es sein? Auf dem Crawford Markt in Mumbai
Die große Stoff-Auswahl auf dem Crawford-Markt in Mumbai

Der Crawford Markt in der Nähe des Bahnhofs Chhatrapati Sjivaji Terminus ist voll mit versteckten Geschäften. Nachdem ich für meine Freundin Hildegunt ein Paar Tanzschuhe für Tango bei Mochi ergattert habe, mache ich mich auf die Suche  nach  Chapattas. Mochi heißt übrigen Reiskuchen und weist auf die superweichen und leichten Trageeigenschaften der Schuhe hin.

Stoffe und Schmuck auf dem Ta Cloth Market

Straßenszene in Mumbai

Für die Suche nach einem Schal werde ich in den Mohat Ta Cloth Market hinter dem Bahnhof geschickt. In dem überdachten Markt gibt es Textilien und Schmuck bis man nicht mehr kann. Es sieht allerdings eher nach Stoffen für Feierlichkeiten aus. Also kann ich schnell bei den Händlern abwinken, die mich in ihren Laden locken wollen. Anstatt nach meinem Dupatta zu suchen, bleibe ich bei einer Familie hängen, die sich auf Hockern am Eingang des Geschäftes niedergelassen hat.  In unendlicher Ruhe werden von den Verkäufern alle Wünsche erfüllt.

Acht Familienmitglieder suchen das Beste für die Braut aus
Festliche Stoffe in Hülle und Fülle auf dem Mumbai Crawford Market
Ob dieser Stoff der Braut gefallen wird? Die Familie entscheidet.

Mir wird berichtet, dass der Bruder einer Anwesenden Tante im April heiratet und sie für die Braut das Hochzeitsgewand aussucht. Die Braut heißt Pranita und ist nicht dabei. Es sind aber acht Repräsentanten der Familie versammelt, um das Beste für die Braut auszusuchen.
Im Moment ist der Style aus Rajasthan in, d.h., ein langer Rock mit Oberteil und einem Dupatta, wird mir erklärt. Der Rock muss natürlich blinken und bestickt sein. Diese Kombi heißt Lengacholi.
Die Familie wohnt eigentlich in einem anderen Stadtteil von Mumbai, dort sei es aber fast fünfmal so teuer, deswegen kommt man zu diesem Markt. Die ganze Versammlung ist vergnügt dabei und erteilt mir gerne Auskunft, fast komme ich noch in Versuchung mir auch einen Rock zu kaufen …
Meinen Chapatta habe ich mir zum Ende des Rundgangs im Markt gekauft.

Johanna von Renner

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